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GESCHICHTE DES HEILIGEN
MARTIN VON TOURS
(Unveränderte,
unkommentierte Abschrift einer
Veröffentlichung aus dem Jahr 1904. Inhaltlich
sehr phantasievoll.)
Der
heilige Martinus wurde im Jahre 316 zu Sabaria
(Stein am Anger) in Ungarn als Sohn heidnischer
Eltern geboren und zu Pavia in Italien erzogen.
Sein Vater war Kriegstribun. Als Martin das zehnte
Jahr erreicht hatte, schlich er öfter heimlich
in die Kirche der Christen, um deren Gottesdienst
zu beobachten und die Lehren derselben
anzuhören. Alles kam ihm löblich und
heilig vor; deswegen ließ er sich, ohne
seinen Eltern etwas davon zu sagen, in die Zahl der
Katechumenen, das ist derjenigen, welche die
heilige Taufe verlangten, aufnehmen. Von dieser
Zeit an ergab er sich dem Gebete und anderen guten
Werken mit großem Eifer. Im fünfzehnten
Jahre mußte er als Soldat in dem Kriegsheere
des Kaisers Maximilian und dann des Julian zu
dienen; der Lehre Jesu eingedenk, vermied er alle
bei manchen Soldaten übliche Laster. Die Zeit,
welche andere seinesgleichen mit Spielen oder
Trinken zubrachten, wendete er zum Gebete oder zur
Lesung des gottseligen Buches an. Er war sehr
demütig, geduldig, mäßig in Speise
und Trank und mitleidig gegen die Armen, denen er
alles von seinem Solde gab, was er vom
notdüftigen Unterhalte für sich
erübrigen konnte.
Zur
kalten Winterszeit begegnete ihm einst bei der
Stadt Amiens in Frankreich ein halbnackter Bettler,
welcher um der Liebe Christi Willen ein Almosen
begehrte. Martin hatte kein Geld bei sich und
wollte dennoch den Bettler nicht ohne Trost lassen.
Daher nahm er seinen Reitermantel von der Schulter,
zerteilte ihn mit dem Schwerte in zwei Stücke
und gab eines davon dem Bettler. Seine Kameraden
trieben ihr Gespötte deswegen mit Martin;
allein in folgender Nacht sah er im Schlafe Jesus
Christus, der mit der Hälfte des Reitermantels
bedeckt war und zu den anwesenden Engeln sprach:
"Martin, ein Taufschüler (Katechumen), hat
mich mit diesem Kleide bedeckt." Durch diese
Erscheinung wurde Martin bewogen, sich taufen zu
lassen 355. Er war damals 18 Jahre alt. Sein
Feldoberster hatte ihn so lieb, daß er ihm
versprach, nach Ablauf seiner zweijährigen
Dienstzeit sich gleichfalls dem Dienste Gottes zu
weihen, wenn er diese Zeit noch bleiben würde.
Martin blieb noch und begab sich dann zum heiligen
Hilarius nach Poitiers (in Frankreich), der ihn
liebreich aufnahm. Als er von ihm vollständig
unterrichtet war, reiste er mit Gutheißung
seines heiligen Lehrmeisters nach Ungarn, mit dem
Vorsatze, seine Eltern zu bekehren.
Die
Mutter brachte er nebst vielen anderen mit leichter
Mühe zu dem wahren Glauben, den Vater aber
nicht. Er wollte dort länger verbleiben und an
der Bekehrung der Heiden arbeiten., wurde aber von
den Arianern verjagt. Er kehrte wieder nach
Frankreich zu seinem heiligen Lehrmeister
zurück. Mit dessen Wissen und Willen baute er
außer den Mauern der Stadt Poirtiers ein
kleines Kloster und fing mit einigen
Lehrjüngern ein geistliches, sehr strenges und
bußfertiges Leben an, welches ihm bei allen
große Hochachtung erwarb. Diese wurde noch
größer, als man vernahm, daß er
einen Menschen, der getauft zu werden verlangte,
aber ohne Taufe gestorben war, wieder zum Leben
erweckt und viele andere Wunder gewirkt hatte.
Daher wurde er nach dem Tode des Bischofs von Tours
gewissermaßen gezwungen, dessen Nachfolger zu
werden.
Als
Bischof war er ein wahres Licht auf dem Leuchter.
Er war unermüdet in seinen Berufspflichten. Er
baute unweit von Tours ein Kloster, wo er mit 80
Religiosen ein strenges Leben führte. Seine
untergebenen Geistlichen unterrichtete er so,
daß er sich derselben in seinen
bischöflichen Verrichtungen bedienen konnte.
Mit einigen aus diesen besuchte er sein ganzes
Bistum, predigte selbst an allen Orten, teilte die
heiligen Sakramente aus, besuchte die Kranken und
gab den Armen reichliches Almosen. Allenthalben
eiferte er für die Zierde der Kirchen und
Heilighaltung derselben. Ihn selbst, wenn er an den
Eingang einer Kirche kam, sah man mehrmals am
ganzen Leibe zittern. Als man ihn um die Ursache
dessen fragte, antwortete er: "Soll ich nicht
zittern und mich fürchten, da ich vor der
höchten Majestät, vor Gott, meinem
Richter, erscheine?" So lebendig war sein Glaube.
In der Kirche sah man ihn nie sitzend, nie stehend,
als wenn es sein Amt, oder der Gottesdienst
erforderte; man hörte ihn nie ein
Wörtchen ohne Not reden.
Seinen
Untergebenen, sowohl geistlichen als weltlichen,
leuchtete er in allem mit den schönsten
Tugendbeispielen vor. Merkwürdig ist,
daß man diesen heiligen Mann nie zornig
gesehen, nie ein eitles Gelächter an ihm
bemerkt hat. Einer von seinen Geistlichen
führte anfangs ein sehr tugendsames, nachher
aber ein ziemliches freies Leben. Der heilige
Martin ermahnte ihn väterlich, er aber nahm es
übel auf und suchte auch andere wider den
heiligen Mann aufzuhetzen, tadelte dabei all sein
Tun und Lassen, und scheute sich nicht, über
ihn öffentlich zu schimpfen und zu
lästern. Martin ertrug alles mit
größter Geduld, begegnete ihm mit
besonderer Sanftmut und betete für ihn ohne
Unterlaß. Man verwunderte sich hierüber
sehr, und einige sprachen dem Heiligen zu, den
Verstockten aus dem Kloster zu verstoßen.
Martin aber sprach: "Hat Christus den Judas dulden
können: warum soll ich nicht diesen Brictius
(dieses war sein Name) dulden?" Er sagte ihnen
dabei voraus, daß er sein Nachfolger in den
Bistum sein würde. Niemand konnte dieses
glauben und Brictius selbst lachte dazu; allein der
Ausgang hat die Wahrheit der Weissagung an den Tag
gelegt.
Denn
Brictius fing an, seine Verirrung zu erkennen,
schmerzlich zu bereuen und ein sehr
bußfertiges Leben zu führen, und wurde
auch nach dem Tode des heiligen Martinus auf den
bischöflichen Stuhl erhoben.
So
sehr die Geduld und Sanftmut unseres heiligen
Bischofs zu bewundern ist, so ist doch auch nicht
weniger lobenswürdig jener Eifer, welchen er
bei der Vertilgung der noch an einigen Orten
herrschenden Abgötterei zeigte. Wo er immer
einen Gotzentempel antraf, stürzte er ihn
entweder mit vielem Gebete und Fasten, oder mit
gewaltsamer Handanlegung zu Boden, obwohl nicht
ohne Gefahr für sein Leben. Einst wollte er
einen Baum umhauen, weil die Heiden vielen
abgöttischen Aberglauben dabei trieben. Die
Heiden setzten sich heftig entgegen. Endlich sprach
aber einer: "Siehe! Wir wollen selbst den Baum
umhauen, wenn du versprichst, daß du
denselben im Fallen mit einer Hand aufhalten
wollest; und daraus wollen wir auch die Macht
desjenigen Gottes, den du predigst,
erkennen."
Der
heilige Bischof versprach ohne Zögerung, dies
zu tun. Der Baum wird umgehauen gegen die Seite, wo
Martinus stand; er fing wirklich an, ihn zu fallen;
die Christen erschraken und zitterten vor Furcht.
Der heilige Bischof aber aber bezeichnete sich mit
dem heiligen Kreuze, streckte seine Hände
gegen den fallenden Baum aus und hielt ihn nicht
nur auf, sondern warf ihn auf die andere Seite
zurück, ohne daß ein einziger Mensch
verletzt wurde. Durch dieses und viele andere
Wunder bekehrte der heilige Bischof eine Menge
Heiden und jagte auch den Arianern eine große
Furcht ein, welche damals, durch die Gunst der
Kaiserin unterstützt, die Katholiken grausam
verfolgten. Bei allen Rechtgläubigen stand der
Heilige wegen seines apostolischen Eifers und
anderer Tugenden und wegen besonderer ihm von Gott
verliehener außerordentlicher Gaben in
größten Ehren und Ansehen. Deswegen
feindete ihn der Satan auf das heftigste an und
suchte ihn durch Selbstgefälligkeit zu
stürzen. Einst erschien er ihm in großer
Herrlichkeit und königlicher Pracht,
sprechend: Er wäre Christus und käme, ihn
zu besuchen.
Martinus
stutzte über diesen Aufzug und sagte: "Nie
werde ich glauben, daß mir Christus
erscheine, wenn ich seine Wundmale nicht sehe."
Darauf verschwand der Satan mit Zurücklassung
eines unerträglichen Geruches.
Es
hatte der apostolische Mann bereits das 81. Jahr
erreicht; da verlangte er aufgelöst und bei
seinem Gott zu sein. Gott schickte ihm ein Fieber
und offenbarte ihm sein herannahendes Ende. Seine
Jünger betrübten sich sehr darüber
und sprachen mit weinenden Augen: "Vater, warum
verlassest du uns? Wem überlassest du uns? Die
reissenden Wölfe werden deine Herde anfallen,
und wenn der Hirt geschlagen ist, wer wird ihnen
den Rachen sperren? Erbarme dich unser und bleibe
noch einige Zeit bei uns!" Der Heilige seufzte und
sprach zu Gott: "Herr! Wenn ich deinem Volke noch
notwendig bin, so schlage ich die Arbeit nicht aus.
Aber nicht mein, sondern dein Wille
geschehe!"
Hierauf
empfing er die heiligen Sakramente, ließ die
Erde mich Asche bestreuen, legte sich, mit einem
Bußkleide angetan, auf dieselbe und sprach:
"Es geziehmt sich nicht, meine Söhne,
daß ein Christ anders, als in Asche sterbe."
Als seine Jünger bemerkten, daß er,
beständig auf dem Rücken liegend, seine
Augen nie von dem Himmel abwendete, sprachen sie zu
ihm: er möchte sich zu einiger Linderung
seiner Schmerzen auf die rechte oder linke Seite
wenden. Er aber sagte: Lasset mich doch lieber den
Himmel als die Erde anschauen, damit der Geist bei
der Wanderung die rechte Richtung nehme." In der
letzten Stunde stellte sich der Versucher noch
einmal dem heiligen Bischofe unter das Gesicht.
Dieser aber redete ihn mit folgenden Worten an:
"Was willst du, du blutgierige Bestie? Du wirst an
mir nichts sündhaftes finden." Mit diesen
Worten beschloß der heilige Bischof sein
heiliges Leben und entschlief im Frieden am 8.
November um das Jahr 400. Am 11. November wurde
sein heiliger Leib beigesetzt.
Der
heilige Gregor von Tours ruft aus: "O
glücklicher Mann! bei dessen Entschlafung die
Heiligen Gotte einen Lobgesang anstimmen, die Engel
frohlocken und ihm scharenweise entgegenziehen, der
böse Feind beschämt und die Kirche Gottes
durch seine Tugend bestärkt wird." - Der 11.
November ist der Verehrungstag des Heiligen. Auf
Bildern hat er eine Gans neben sich, weil eine
solche, als er 371 zum Bischofe erhoben werden
sollte, durch ihr Geschnatter sein Versteck
verraten haben soll.
(unverändert
entnommen: Katholisches Christenbuch für
häusliche Andacht enthält das "Leben der
lieben Heiligen Gottes", Seite 687: "11. November -
Der heilige Martinus, Bischof von Tours". Als Autor
zeichnet der Kapuzinerpriester P. Wilhelm Auer zu
Augsburg im Jahr 1904., die vorliegende Ausgabe
enthält Empfehlungsschreiben aus 1912, eine
Rangreihe der Ausgaben ist nicht
vermerkt)
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